Wo kommen die Fachkräfte zum Einsatz?
„Wie sehen hauswirtschaftliche Arbeitsplätze in der Landwirtschaft heutzutage aus?“ haben wir uns gefragt. Bieten sie ein solides Einkommen mit Alterssicherung? Nach vielen Gesprächen und Betriebsbesuchen können wir Euch für Schleswig-Holstein einen Überblick bieten.
Glücksmomente für Alt und Jung
HWL und Landwirtin Urte Meves betreibt auf ihrem elterlichen Bauernhof (www.meves-hof.de) in Eddelak an der schleswig-holsteinischen Westküste Bauernhofpädagogik und soziale Landwirtschaft, so genannte „Green Care*“. Sie bietet monatlich wiederkehrende Besuchstage und Beschäftigungsangebote für Kinder, Menschen mit Beeinträchtigung oder Demenz im „Jahrespaket“ an. Dazu kommen Veranstaltungen für Schul- und Kindergartenklassen, Familien oder Einzelpersonen. Urte nennt ihren Betrieb ganz bewusst „Bauernhof“, denn ihr ist es wichtig, Menschen den Bezug zur Natur und Landwirtschaft erlebbar zu machen. Jede soll in der Erde wühlen, Tiere streicheln, Pflanzen wachsen sehen und Ernte verarbeiten dürfen.
Sorgfältige Planung von Aktivitäten und Finanzierung
Zusammen mit ihren Auszubildenen und Praktikantinnen bereitet die leidenschaftliche Hauswirtschafterin ihren Teilnehmerinnen unvergessliche Vor- oder Nachmittage in der urgemütlichen Vier-Jahreszeiten-Scheune. Zu den anliegenden Arbeiten in Hof, Garten, Stall und Klüterschuppen nimmt sie ihre Besucherinnen einfach mit. Welche Glücksmomente für Jung und Alt! Schülerinnen erhalten ganz nebenbei Einblick in viele Berufe. Alte Menschen dürfen sich an ihre ländliche Kindheit erinnern. Frau Meves rechnet mit den Pflegekassen ab (Entlastungsbetrag), nutzt Fördertöpfe und plant ihr Jahr gewissenhaft durch. Alle Angebote werden im Voraus bezahlt, sodass eine Planungssicherheit gegeben ist.
Umfassende Ausbildung befähigt zu Leitungsaufgaben
Julika Ehlers kehrte nach einem Praktikumsjahr in der Schweiz auf den elterlichen Hof
zurück und brachte sich nach Kräften in die Hofgemeinschaft ein. Begleitend
absolvierte sie Prüfungen für die Ausbildereignung, zur Hauswirtschafterin, zur
Kindertagespflegeperson, zur Einrichtungsleitung mit sonderpädagogischer
Zusatzausbildung und steht nun unmittelbar vor dem Abschluss als Meisterin der
Hauswirtschaft. Frau Ehlers leitet die Hofgemeinschaft aus drei Demeterhöfen mit insgesamt 100 – 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zum Teil aus der Eingliederungshilfe für Erwachsene. www.weide-hardebek.de
Die 120 Mitarbeiter*innen kommen zuerst
Darunter sind acht hauswirtschaftlich qualifizierte Menschen, die mit Julika die Erzeugnisse der Höfe verarbeiten und im Hofladen und an eine SoLawi verkaufen. Für die Fleisch- und Ernteverarbeitung steht eine Wirtschaftsküche, für die Torten und Backwaren eine Sahneküche zur Verfügung. Die Versorgung der Bewohnerinnen steht dabei ganz klar im Vordergrund: Nahrungszubereitung, Wäschepflege, Hausreinigung werden auf den Höfen erbracht. Raum- und Freizeitgestaltung gehören ebenso zum Aufgabenfeld wie die Arbeitsbegleitung. Auf allen Höfen bildet die Hauswirtschaft die zentrale Anlaufstelle für die Belange der Bewohnerinnen, denn hier bündeln sich ganz viele Kompetenzen. Neue Mitarbeiterinnen findet die Hofgemeinschaft am besten über die kostenlosen Zeitungen und social media. Bezahlt wird nach TvöD.
Fazit
In Schleswig-Holstein gibt es durchaus attraktive Arbeitsplätze für hauswirtschaftliche Fachkräfte in der Landwirtschaft. Sowohl im Angestelltenverhältnis als auch selbstständig. Betriebsleiterinnen managen die Hauswirtschaft im Familienbetrieb oder arbeiten als hauswirtschaftliche Ausbilderinnen auf großen Gütern. Andere wiederum betreiben Hofläden, oder sind in der Tourismusbranche wie z. B. im Bereich Urlaub auf dem Bauernhof erfolgreich oder leiten die Hauswirtschaft von Seniorenresidenzen, oder Kindebetreuungsheimen.
Patricia Adams und Verena Frank


