Fußböden in sozialen Einrichtungen – worauf kommt es an?

In diesem Artikel wollen wir Ihnen wichtige Hinweise zu geeigneten Materialien und dem zu erwartenden Pflegeaufwand geben, um bei künftigen Bau- oder Renovierungsaufgaben mitreden zu können.  Die Wahl des richtigen Fußbodens entscheidet über Atmosphäre, Arbeitssicherheit und Arbeitsaufwand. „Durch praktisches Wissen und Erfahrung kann rechtzeitig auf negative Nutzungseigenschaften …sowie auf Folgekosten aufmerksam gemacht werden…. Dies trägt zu einer langfristigen Werterhaltung bei und ist ein wesentlicher Faktor der Nachhaltigkeit.“ (aus Bauen in, für und mit sozialen Einrichtungen) 

Regelwerke zur Arbeitssicherheit

Trotz aller Mitbestimmung gelten diverse Arbeitssicherheitsbestimmungen zum Schutz der Mitarbeitenden:

a.  „Technische Regeln für Arbeitsstätten, Fußböden ASR A1.5, enthalten sehr ausführliche Beschreibungen von Schutzmaßnahmen gegen Stolpern, Rutschen und besondere physikalische Einwirkungen wie Zugluft, Kälte und Lärm. Ein Beispiel ist der so genannte „Verdrängungsraum“ V 4- V 8 bei einem Fußboden in der Produktionsküche. Er bezeichnet die „Ritzen“, in denen sich Fett und Krümel sammeln dürfen, um keine Rutschgefahr zu bilden. Die Oberfläche des Belages wird mit Rutschhemmung von R 9 – R 14 angegeben. 

b. Der Verband der Fachplaner (VdF) hat im Normenportal Gastronomie die Fußbodenrichtlinie 070 entwickelt. Basierend auf der DIN 18534 bietet die technische Richtlinie für Planung, Konstruktion und Ausführung Aspekte zu technischer Abdichtung, zum Komfort bei der Nutzung, zu Hygiene und zu Dämmeigenschaften.

c. Auch die gesetzliche Unfallversicherung „Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN)“ beschreibt in der DGUV Regel 110-001 ihre Forderungen zum Unfallschutz.

Aufbau des Fußbodens

Je nach Gebäude finden wir unterschiedliche Unterböden vor. Ein Altbau bringt andere Voraussetzungen mit als ein neues Gebäude. Je nach Anforderung in Bezug auf Raumart, Wirkung, Arbeitssicherheit und Pflegeaufwand kommen verschiedene Baustoffe infrage. Ein
Fußboden besteht aus mehreren Schichten (er kann 8-20 dick werden): 

           a. Roboden oder auch Rohdecke:

Die Basis für den Fußbodenaufbau bildet die Geschossdecke oder auch der
Rohboden. In der Regel handelt es sich hierbei um massive Betondecken. In
Altbauten oder Fertighäusern findet sich aber auch immer mal wieder eine
Holzbalkendecke.

b.     Wärmedämmung und Trittschallschutz: Auf einem Rohboden aus Beton wird immer zuerst eine Dampfbremse aus Alu verlegt. Erst dann kommen darüber die Wärmedämmung und der Trittschallschutz.

c.  Fußbodenheizung (in Wirtschaftsräumen unüblich)

d.      Estrich: Hier gibt es sowohl die Möglichkeit einen Nass- oder Fließestrich (stark belastbar, ausgleichend, lange trocknend) oder einen Trockenestrich (einfache Verlegung) zu verwenden.

e. 
Bodenbelag: Sicherheitskeramik, Sicherheitsbeläge (R12/R14/V4-V8) in Produktionsküchen. Feinraue, profilierte Keramik, Sicherheits-PVC (R11, R12) oder nahtlose Kunstharzsysteme in der Wäscherei. Vinyl-, Kautschuk oder Linoleum mit werksseitiger Versiegelung (R9/R10) und verschweißten Nähten in Speiseräumen. Kautschuk, Linoleum oder textiler Fliesenbelag in Aufenthalts- und Wohnräumen. Feinsteinzeug oder robuste elastische Beläge(R10) in Fluren und Eingängen. Profilierte Keramik im Sanitärbereich, im Barfußbereich.

Gütesiegel

Auch für Fußbodenbeläge gibt es verschiedene Gütesiegel. Zum Beispiel „Geprüft nachhaltiges Produkt“, „100 % phthalatfrei“, „A+ Émissions dans láir intérieur“, „lead free“ und Brandklassen. In Fachbetrieben/Meisterbetrieben treffen wir auf Estrichleger, Bodenleger, Fliesenleger und Parkettleger, die entsprechende Ausbildungen durchlaufen haben und sich richtig gut auskennen.

Reinigung und Pflege

Bereits die Gestaltung des Eingangsbereiches eines Gebäudes spielt eine große Rolle hinsichtlich der Optik und des Reinigungsaufwandes. Ist der Außenbereich überdacht? Gibt es genügend große Schuhabstreifer außen? Befinden sich im Innenraum Sauberlaufmatten? Entweder als Schuhabstreifermatten in einer Bodenwanne oder im Winkelrahmen mit Ripsstreifen? Sie sollen mindestens sechs bis acht Schritte lang sein, damit Feuchtigkeit und Schmutz an ihnen haften bleiben. Wichtig ist auch der Reinigungsaufwand der Matten selbst. Textilservice-Unternehmen bieten Teppichmatten im Reinigungs-Abo an. Die Kundin kann die Tauschfrequenz an saisonale Bedürfnisse anpassen.  Z.B. im Sommer monatlich, im Winter 14-tägig.

Fazit

Damit Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen lange Freude an einem Fußboden haben, ist eine Beratung durch ausgewiesene Fachbetriebe unbedingt erforderlich. Aufbau und Belag müssen aufeinander abgestimmt sein, die Pflegeanforderungen zu den anderen vorhandenen Böden passen. Die Hauswirtschaftsleitung sollte bei diesem Thema unbedingt mitreden dürfen und können. Unser Artikel mit allen weiterführenden Informationen soll dafür eine Hilfestellung sein.